Der Schimmelreiter (1998)

Theodor Storms Meisternovelle als Musiktheater von Andreas K.W. Meyer mit eingestreuten Poemen: Hauke Haien plant als sein Lebenswerk die Erneuerung der alten Deichanlagen. Das Unternehmen scheitert an Haukes Selbstüberschätzung ebenso wie am sturen Traditionalismus der Einheimischen...

Der Schimmelreiter ist der zweite Teil einer für mich sehr wichtigen Trilogie, die mit dem ‚Rattenfänger’ begann und mit Eduard auf dem Seil endet. In allen drei Stücken gibt es eine Figur, die aus dem Osten kommt und die Handlung in Bewegung setzt. Ich habe beobachtet, wie durch die Öffnung des Ostens Elemente in unsere mitteleuropäische Musik kommen, die nach 1945 bei uns verpönt waren: Das Gefühl, der Humor und ein ungebrochenes Verhältnis zur Melodie. […] ?
Als ich mir die ersten Gedanken zum Schimmelreiter machte, hörte ich die Legende von der Entstehung der mongolischen Pferdekopfgeige. Mich faszinierte, wie ein mongolischer Reiter, dessen Pferd der Khan hatte töten lassen, weil er es nicht als Geschenk bekam, aus der Wirbelsäule des toten Tieres einen Stab formte, aus den Haaren Saiten und aus dem Schweif einen Bogen formte und versuchte, das klagende Wiehern des geliebten Tieres mit seinem neuen Instrument wiederzugeben. Als ich den Schimmelreiter von Theodor Storm immer und immer wieder las und durch die Sekundärliteratur geradezu in die Szenen hineingezogen wurde, ging mir immer diese Pferdekopfgeige durch den Sinn mit ihren klagenden Trillern und Glissandi. Bald war klar, dass das zentrale Instrument des ‚Schimmelreiters’ eine Geige sein musste, deren Gesang sich durch das ganze Stück zieht, es eröffnet und beschließt. […]“ (Wilfried Hiller, Programmheft zur Uraufführung an den Bühnen der Landeshauptstadt Kiel, Spielzeit 1997/98.- Herausgegeben von den Bühnen der Landeshauptstadt Kiel, Redaktion Katharina John, Kiel 1998)

Zweiundzwanzig Szenen und ein Zwischengesang nach Theodor Storm.
Libretto von Andreas K. W. Meyer.

Komponist: 
Wilfried Hiller
Librettist: 
Andreas K. W. Meyer
Dichter der Textvorlage: 
Theodor Storm
Uraufführung: 

Uraufführung / World Premiere: 21. Juni 1998 Kiel, Bühnen der Landeshauptstadt, zur Eröffnung der Kieler Woche 1998 × Dirigent: Ulrich Windfuhr × Inszenierung: Kirsten Harms × Bühnenbild: Bernd Damovsky · Kostüme: Susanne Hubrich

Orchesterbesetzung: 

2 (2. auch Picc.) · 2 (2. auch Engl. Hr.) · 2 (1. auch Es-Klar.) · 2 (2. auch Kfg.) - 3 · 2 · 2 · 1 - S. (I: Marimb. · kl. Peitsche · Zimb. · 2 Tomt. · Amboss · kl. Tr. · Windmaschine · Weinglas · Vibraslap · Mark Tree · sehr hohes Beck. Kirchengl.; II: Marimb. · mittelgr. Peitsche · Vibraphon · 2 Tomt. · Amboss · 4 Tempelbl. · 2 Plattengongs · 4 Rototoms · Maracas · 4 Beck. unterschiedlicher Größe · Kirchengl.; III: Maracas, hoch · gr. Peitsche · 3 Röhrengl. · Tempelbl. · Holzbl., hoch · 2 Tomt. · Amboss · gr. Tr. · Tamt. · Cabaza · Nietenbeck. · Kirchengl.; IV: Maracas, tief · sehr gr. Peitsche · Dobaci · Schellentamb. · Holzbl., tief · 2 Tomt. · Amboss · Buckelgong · tiefes Beck. · Beckenpaar · Kirchengl.) (4 Spieler) - Org.(kann auch vom Band zugespielt werden) - Str. (0 · 0 · 0 · 6 · 3) Kammerensemble (separat zu plazieren): 1 Fl. (auch Altfl.) · 2 Klar. (2. auch Bassklar.) - S. (kann von einem Schlagzeuger des Orchesters gespielt) werden) - Hfe 1 Solo-Violine (auch szenisch, siehe Personenverzeichnis)

Personenbesetzung: 

Hauke Haien · Tenor - Elke Volkerts · lyrischer Mezzosopran - Trin Jans · Mezzosopran - Ole Peters · Baßbariton - Der Fiedler · Solo-Violine - Tede Haien, Haukes Vater / Geestkretler / 1. Mann · Baß - Tede Volkerts, Deichgraf, Elkes Vater / 3. Mann / Arbeiter · Baßbariton - 1. Mitspieler / 2. Mann / Knecht · Bariton - 2. Mitspieler / 4. Mann / Tagelöhner · hoher Tenor - Prediger · Schauspieler - Zwei Stimmen · lyrischer Sopran / lyrischer Bariton / Schaulustige / Trauergemeinde / Sektengemeinde / Arbeiter · Chor

Wilfried Hiller über das Stück:
"Die Nordfriesen sind ein wortkarges Volk, was für einen Opernkomponisten, der sich den SCHIMMELREITER von Storm vornimmt, eine Herausforderung darstellt. So fügten wir den Protagonisten "Stimmen" - ihre persofinizierten Gedanken - bei, die die Gedanken und Gefühle der Protagonisten singend zum Ausdruck bringen konnten."

Aufführungsdauer: 
90min
Kompositionsjahr: 
1997
Bildrechte: 

Joachim Thode, Mönkeberg